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Herz-CT & Koronarsklerose · München

Was ich schon immer über Koronarsklerose (= KHK) wissen wollte

41 Fragen zu KHK, Rhythmus, Herzschwäche, Plaque, Herz-CT und Stress-MRT – ehrlich beantwortet.

Rund ums Herz kursieren viele halbe Wahrheiten: „Mein EKG war normal", „Mein Calcium-Score ist 0", „Ich mache viel Sport". Hier finden Sie klare Antworten. Wir sagen, was eine Methode kann und was sie nicht kann. Tippen Sie eine Frage an – die längeren Antworten lassen sich Schritt für Schritt weiter aufklappen.

Grundlagen: Worum geht es bei der KHK?

1 Was ist eigentlich eine KHK – und warum wird darum so ein „Wirbel" gemacht?

KHK bedeutet koronare Herzkrankheit. Die Herzkranzgefäße versorgen den Herzmuskel rund um die Uhr mit Sauerstoff; bei der klassischen KHK erkranken diese Gefäße durch Atherosklerose. Warum das so relevant ist? Laut Deutschem Herzbericht sterben in Deutschland jährlich rund 126.000 Menschen an einer KHK einschließlich Herzinfarkt7 – etwa 345 pro Tag, 14 pro Stunde.

2 Wie viele Ereignisse durch Durchblutungsstörungen des Herzens gibt es täglich in Deutschland?

Die Dimension ist gewaltig. Der Deutsche Herzbericht weist für das Berichtsjahr 2023 rund 538.675 Krankenhausaufnahmen wegen KHK einschließlich Herzinfarkt aus7 – rechnerisch etwa 1.476 pro Tag, 61 pro Stunde, mehr als eine pro Minute. Darunter allein rund 185.804 Aufnahmen wegen eines akuten Herzinfarkts (etwa 509 pro Tag).

3 Was ist gefährlicher – ein Tumor oder eine KHK?

Kurz und ehrlich: In Deutschland fordern Herz-Kreislauf-Erkrankungen mehr Todesopfer als alle Krebserkrankungen zusammen – 2022 waren es 358.219 gegenüber 231.533. Und die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die häufigste einzelne Todesursache überhaupt.14

4 Ich habe keine Beschwerden. Kann ich trotzdem eine KHK haben?

Ja. Sie können arbeiten, Sport treiben, Treppen steigen, sich vollkommen gesund fühlen – und trotzdem können sich bereits deutliche Gefäßablagerungen in Ihren Herzkranzgefäßen befinden. Beschwerdefrei bedeutet nicht automatisch gefäßgesund. Wie verbreitet diese stille Form ist, zeigte 2026 die große REACT-Studie, am 29. August 2026 in München vorgestellt: Bei rund 57 % beschwerdefreier Erwachsener fanden sich bereits Ablagerungen.1

Atherosklerose: der eigentliche Ursprung

5 Warum dreht sich bei der koronaren Herzkrankheit (= KHK) so viel um Atherosklerose?

Weil die klassische KHK im Kern eine Erkrankung der Wände unserer Herzkranzgefäße ist – und diese Wände leisten Unglaubliches. Das Herz schlägt rund 100.000-mal am Tag, bis zum 50. Lebensjahr bereits etwa 1,6 Milliarden Mal. Jeder Schlag schickt eine Druckwelle durch die Arterien.

6 Wenn Belastung eine Rolle spielt – ist Sport dann nicht zusätzlicher „Verschleiß"?

Nein – und genau das ist faszinierend. Beim Sport steigen Herzfrequenz, Herzzeitvolumen und Blutdruck, das System arbeitet härter. Trotzdem gehört regelmäßige Bewegung zum Wirksamsten, was Sie für Ihr Herz-Kreislauf-System tun können.8 Gefäße sind keine Maschine, die mit jeder Benutzung schlechter wird: Sie reagieren, passen sich an, werden trainiert.

7 Ich treibe viel Sport und bin ausgesprochen fit. Kann ich trotzdem eine Herzerkrankung haben?

Ja. Sport senkt das Herz-Kreislauf-Risiko erheblich – aber Fitness ist kein diagnostischer Befund. Auch ein hervorragend trainierter Mensch kann eine bislang unerkannte Herzerkrankung haben.1

8 Mein EKG und mein Herzultraschall sind normal. Sind damit meine Herzkranzgefäße gesund?

Nein – diese Untersuchungen beantworten andere Fragen. Das EKG zeigt vor allem die elektrische Aktivität des Herzens; der Ultraschall vor allem die Bewegung des Herzmuskels, Pumpfunktion und Klappen. Über das Ausmaß möglicher Ablagerungen in den Gefäßen kann die Sonographie nichts sagen.

Herzrhythmus

9 Was sind eigentlich Herzrhythmusstörungen?

Ihr Herz besitzt ein eigenes elektrisches System: Normalerweise entsteht ein Impuls, breitet sich geordnet aus und löst einen Herzschlag aus – etwa 100.000-mal am Tag.

10 Warum können Herzrhythmusstörungen gefährlich sein?

Weil ein wirksamer Herzschlag zwei Dinge braucht: geordnete Elektrizität und daraus entstehende wirksame Mechanik (Pumpbewegung).

11 Was kann passieren, wenn man Herzrhythmusstörungen hat?

Das Spektrum reicht von gar nichts über Herzstolpern, Herzrasen, Schwindel und Leistungsminderung bis zu Bewusstlosigkeit, Schlaganfall, Herzschwäche oder Kreislaufstillstand.

12 Wodurch entstehen Herzrhythmusstörungen?

Es gibt nicht die eine Ursache. Möglich sind unter anderem: Erkrankungen des Reizleitungssystems, Elektrolytstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Medikamente, eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Kardiomyopathien, Narben des Herzmuskels – und insbesondere Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, also die KHK und ihre Atherosklerose. Mehr zu den Rhythmusstörungen selbst auf der Seite Rhythmusstörungen.

13 Was haben Herzrhythmusstörungen mit der KHK zu tun?

Sehr viel. Der Herzmuskel braucht Sauerstoff, die Koronararterien liefern ihn. Wird die Versorgung eines Muskelabschnitts beeinträchtigt, kann das auch seine elektrische Stabilität verändern.

Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

14 Was ist eigentlich eine Herzinsuffizienz?

Vereinfacht: Das Herz kann seine Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen – es versorgt den Körper nicht mehr unter allen Bedingungen genügend mit Blut oder schafft dies nur unter erhöhten Füllungsdrücken.12

15 Was verursacht eine Herzinsuffizienz?

Viele Erkrankungen können in eine Herzinsuffizienz münden: KHK und Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzklappenerkrankungen, Kardiomyopathien, Myokarditis, bestimmte Rhythmusstörungen.12

16 Was hat eine Herzinsuffizienz mit der KHK zu tun?

Sehr viel. Wird Herzmuskel dauerhaft nicht ausreichend durchblutet oder geht bei einem Infarkt Muskelgewebe verloren, leidet die Pumpfunktion.12

Plaque & Risiko

17 Was schädigt unsere Herzkranzgefäße tatsächlich?

Atherosklerose entsteht nicht über Nacht. Entscheidend ist die langfristige Belastung durch Risikofaktoren.

18 Was ist eigentlich ein Plaque?

Ein Plaque ist nicht einfach „Kalk im Gefäß", sondern eine Veränderung der Gefäßwand. Und hier liegt ein weit verbreiteter Denkfehler: „Kalk ist doch fest – also stabil – also harmlos."

19 Calcium-Score 0 – bin ich damit auf der sicheren Seite?

Nicht zwingend. Ein Score von 0 bedeutet zunächst: kein nachweisbarer Koronarkalk. Das ist eine wichtige und grundsätzlich günstige Information.

20 Was ist ein „weicher" Plaque?

Vereinfacht ein noch nicht verkalkter, fett- und zellreicher Plaque – man kann ihn sich als weiche, gequollene Stelle in der Gefäßwand vorstellen, nicht als harten Stein. Gerade dieser kann im reinen Calcium-Score unsichtbar bleiben.

21 Was ist gefährlicher: eine hochgradige Stenose oder ein auffälliger Plaque?

Das sind zwei unterschiedliche Informationen: Der Stenosegrad beschreibt, wie eng das Gefäß ist; die Plaquemorphologie, wie die zugrunde liegende Atherosklerose aussieht.

22 Kann auch eine 30- oder 40-prozentige Stenose wichtig sein?

Ja. Denn „nicht hochgradig" bedeutet nicht „keine Atherosklerose".

23 Was bedeutet eigentlich „Plaquelast"?

Nicht nur „Wo ist die engste Stelle?", sondern „Wie viel Atherosklerose befindet sich insgesamt in meinen Herzkranzgefäßen?"

24 Mein Cholesterin ist nur leicht erhöht. Warum sollte mich das interessieren?

Weil ein Laborwert und der Zustand Ihrer Herzkranzgefäße nicht dasselbe sind. Laborwerte beschreiben ein statistisches Risiko.

25 Mein LDL ist hoch – habe ich deshalb automatisch Plaques?

Nein. Ein Risikofaktor ist keine CT-Aufnahme.

26 Mein Vater oder meine Mutter hatte früh einen Herzinfarkt. Was bedeutet das für mich?

Eine familiäre Belastung – besonders ein früher Infarkt bei Eltern oder Geschwistern – führt zu einem deutlich erhöhten individuellen Risiko und zählt zu den etablierten Risikofaktoren.8 Sie sagt aber noch nicht, wie Ihre eigenen Koronararterien tatsächlich aussehen.

Herz-CT

27 Was sieht man beim Herz-CT eigentlich?

Die Herzkranzgefäße selbst. Die Koronar-CT-Angiographie kann Gefäßlumen, Verkalkungen, nicht verkalkte und sogar instabile Plaques, Stenosen und die Verteilung der Atherosklerose darstellen und beurteilen.

3D-Rekonstruktion des Herzens mit Herzkranzgefäßen aus einer Herz-CT
3D-Rekonstruktion aus einer Herz-CT: Herz mit den aufliegenden Herzkranzgefäßen.
28 Kann man wirklich alle drei großen Herzkranzgefäße untersuchen?

Ja. Die Koronar-CT stellt den gesamten Koronarbaum dar.

3D-Rekonstruktion des gesamten Koronarbaums aus einer Herz-CT-Angiographie
Der gesamte Koronarbaum in einer 3D-Rekonstruktion aus der Herz-CT-Angiographie.
29 Brauche ich nach einem auffälligen Herz-CT automatisch einen Herzkatheter?

Nein. Das weitere Vorgehen hängt vom konkreten Befund ab. Gerade eine unauffällige CT kann einen invasiven Eingriff häufig vermeiden.6

30 Warum nicht gleich einen Herzkatheter?

Weil diagnostische Information nicht zwangsläufig einen invasiven Eingriff erfordert und rechtfertigt.2 Ein Herzkatheter ist in der Regel nur dann notwendig, wenn die Atherosklerose stark fortgeschritten ist oder gleich behandelt werden soll. In den meisten Fällen möchte man dagegen zunächst wissen, ob die medikamentöse Therapie optimiert werden muss, um das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen.

31 Sagt das Herz-CT auch, ob durch eine Stenose noch genügend Blut kommt?

Die Anatomie allein beantwortet diese Frage nicht immer.

Stress-MRT

32 Was kann ein Stress-MRT zusätzlich zeigen?

Das Stress-MRT stellt eine andere Frage: Wird mein Herzmuskel unter Belastung ausreichend durchblutet?

33 50 Prozent Stenose – ist das viel oder wenig?

Die ehrliche Antwort: Die Zahl allein reicht nicht.

34 Was passiert, wenn mehrere Engstellen hintereinander liegen?

Dann wird es besonders interessant – denn das Blut interessiert sich nicht für die isolierte Prozentzahl jeder einzelnen Stelle.

Die Untersuchung: Ablauf, Technik, Sicherheit

35 Warum bekommt man vor einem Herz-CT manchmal einen Betablocker?

Weil wir das Herz für die Aufnahme möglichst ruhig und regelmäßig brauchen. Eine niedrigere Herzfrequenz kann die Bildqualität verbessern und Bewegungsartefakte reduzieren. Wie stark ein Betablocker nötig ist, hängt vor allem von der absoluten Herzfrequenz ab.

36 Warum bekommt man Nitrospray?

Weil wir die Herzkranzgefäße möglichst gut sehen möchten. Nitroglycerin erweitert die Koronararterien vorübergehend – dadurch werden insbesondere kleinere Gefäßabschnitte besser beurteilbar. In den hier verabreichten Mengen ist es unbedenklich.

37 Wie viel Strahlung bedeutet ein modernes Herz-CT?

Moderne Herz-CT-Technik hat sich erheblich weiterentwickelt. Die tatsächliche Strahlenexposition hängt von Scanner, Körperbau, Herzfrequenz und Protokoll ab und lässt sich mit aktueller Technik gegenüber Geräten von vor rund zehn Jahren bereits deutlich reduzieren.

38 Warum Kontrastmittel – und ist es gefährlich?

Warum überhaupt Kontrastmittel? Weil sich die Herzkranzgefäße erst dadurch klar von ihrer Umgebung abheben und ihr Inneres (das Lumen) sowie nicht verkalkte Plaques beurteilbar werden. Ganz ohne Kontrastmittel lässt sich nur der Kalk messen (Calcium-Score) – nicht aber der eigentliche Gefäßverlauf mit weichen Plaques und Engstellen. Deshalb werden wir oft gefragt, ob es „auch ohne" geht: Für die eigentliche Gefäßdarstellung leider nicht.

39 Wie lange dauert ein Herz-CT?

Die entscheidende Aufnahme: wenige Sekunden.

40 Kann man Stents und Bypässe im Herz-CT untersuchen?

Ja – allerdings mit Unterschieden.

41 Was ist am Ende die wichtigste Frage?

Vielleicht nicht nur „Habe ich heute Brustschmerzen?" und auch nicht ausschließlich „Wie hoch ist meine engste Stenose?", sondern: „Gibt es bei mir bereits eine koronare Atherosklerose – wie ausgeprägt ist sie, und beeinträchtigt sie schon die Versorgung meines Herzmuskels?"1

Nicht sicher? Melden Sie sich.

Wenn Sie unsicher sind – oder Ihre Ärzte sagen „Sie haben nichts", Sie an sich selbst aber einen Widerspruch dazu spüren –, melden Sie sich. Einmal zu viel ist sicherlich besser als einmal zu wenig.

Woher Beschwerden kommen, weiß man oft erst, wenn man nachschaut – ob mit einem Herz-MRT oder einer MRT-Mammographie.

Sicherheit tut gut.

Literatur
  1. REACT-Studie (u. a. CNIC, Madrid). Häufigkeit subklinischer Atherosklerose über die Lebensspanne Erwachsener. Vorgestellt beim ESC-Kongress 2026, München (29. August 2026); publiziert im New England Journal of Medicine. acc.org
  2. Vrints C, Andreotti F, Koskinas KC, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of chronic coronary syndromes. Eur Heart J 2024;45(36):3415–3537.
  3. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). CT-Koronarangiographie bei Verdacht auf eine chronische KHK. Beschluss vom 18. Januar 2024; EBM-Leistung seit 1. Januar 2025.
  4. Bundesärztekammer, KBV, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK. leitlinien.de
  5. SCOT-HEART Investigators. Coronary CT Angiography and 5-Year Risk of Myocardial Infarction. N Engl J Med 2018;379(10):924–933.
  6. DISCHARGE Trial Group. CT or Invasive Coronary Angiography in Stable Chest Pain. N Engl J Med 2022;386(17):1591–1602.
  7. Deutsche Herzstiftung / DGK. Deutscher Herzbericht, Berichtsjahr 2023 (Krankenhausaufnahmen und Sterbefälle KHK/Herzinfarkt). herzstiftung.de
  8. Visseren FLJ, Mach F, Smulders YM, et al. 2021 ESC Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice (u. a. familiäre Belastung als Risikofaktor). Eur Heart J 2021;42(34):3227–3337.
  9. Greenwood JP, Maredia N, Younger JF, et al. CE-MARC: cardiovascular magnetic resonance and SPECT for diagnosis of coronary heart disease. Lancet 2012;379(9814):453–460.
  10. Borén J, Chapman MJ, Krauss RM, et al. Low-density lipoproteins cause atherosclerotic cardiovascular disease – EAS Consensus Statement. Eur Heart J 2020;41(24):2313–2330.
  11. Van Gelder IC, Rienstra M, Bunting KV, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation. Eur Heart J 2024;45(36):3314–3414.
  12. McDonagh TA, Metra M, Adamo M, et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J 2021;42(36):3599–3726.
  13. Ropers U, Ropers D, Pflederer T, et al. Influence of heart rate on the diagnostic accuracy of dual-source CT coronary angiography. J Am Coll Cardiol 2007;50(25):2393–2398.

Welche Untersuchung beantwortet Ihre Frage?

Sprechen Sie mit uns – wir klären gemeinsam, ob und welche Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist. Nach Ihrem individuellen Risikoprofil, nicht nach Schema F.

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