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Brustenge · München

Angina pectoris

Enge in der Brust – verstehen, was dahintersteckt.

Druck, Enge oder Brennen hinter dem Brustbein, oft bei Anstrengung, manchmal ausstrahlend in Arm, Hals, Kiefer oder Rücken – so äußert sich eine Angina pectoris, übersetzt „Enge der Brust“. Die häufigste Ursache ist die koronare Herzkrankheit (KHK – das allmähliche Zusetzen der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen). Doch nicht jede Brustenge kommt von verengten Gefäßen, und nicht jede kommt vom Herzen. Viele Patientinnen und Patienten kommen mit einer Diagnose zu uns – aber ohne klare Antwort. Mit EKG, Echokardiographie, Herz-CT und Stress-MRT klären wir die Ursache an einem Ort und besprechen das Ergebnis ausführlich mit Ihnen.

Was uns wichtig ist
Fachbegriffe unklar? 46 Fragen zum Herzen, verständlich beantwortet – von KHK, Plaque und Calcium-Score bis Herz-CT, Stress-MRT und Rhythmusstörungen. Zu den Antworten →
Wann eine Abklärung sinnvoll ist

Zwei gute Gründe, genauer hinzusehen

Angina pectoris – auch Brustenge oder Herzenge genannt – ist ein Symptom, keine eigene Krankheit. Typische Anzeichen sind ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, das bei körperlicher oder seelischer Belastung, bei Kälte oder nach einer üppigen Mahlzeit auftritt und in Ruhe nach wenigen Minuten wieder abklingt. Die Ursachen reichen von verengten Herzkranzgefäßen (KHK) über Störungen der kleinsten Herzgefäße bis zu Gefäßkrämpfen (vasospastische Angina); manche Beschwerden, die einer Angina ähneln, haben ganz andere Gründe. Welche Behandlung richtig ist, hängt deshalb von einer genauen Abklärung ab.

Bei Beschwerden unter Belastung

Wenn Treppensteigen, zügiges Gehen oder Aufregung ein Druck- oder Engegefühl in der Brust oder ungewohnte Luftnot auslösen, das in Ruhe wieder vergeht, klären wir, ob die Herzkranzgefäße dahinterstecken.

Bei einer Diagnose ohne Klarheit

Sie haben die Diagnose Angina pectoris oder KHK erhalten – oder der Herzkatheter war unauffällig, die Beschwerden bleiben aber? Dann sehen wir genauer hin: auf die großen Herzkranzgefäße, auf die Durchblutung des Herzmuskels bis in die kleinsten Gefäße – und auf mögliche andere Ursachen. Auch als Zweitmeinung.

Stabil oder instabil

Stabile und instabile Angina pectoris – der entscheidende Unterschied

Man unterscheidet zwei Formen. Der Unterschied bestimmt, wie schnell gehandelt werden muss.

Stabile Angina pectoris: zeitnah abklären

Die Beschwerden treten nur bei Anstrengung auf, folgen einem gleichbleibenden Muster und vergehen in Ruhe – oder nach einem Nitro-Spray – innerhalb weniger Minuten. Das ist kein Notfall, aber ein deutliches Signal. Rufen Sie uns zeitnah an: 089 5527 9560.

Instabile Angina pectoris: sofort die 112

Die Beschwerden treten plötzlich, erstmals, in Ruhe oder immer häufiger und stärker auf – oder halten länger als einige Minuten an. Dann kann ein Herzinfarkt drohen oder bereits vorliegen. Rufen Sie bitte sofort den Rettungsdienst unter 112 – nicht uns – und fahren Sie nicht selbst.

Nicht bei allen gleich

Angina pectoris bei Männern und Frauen – und wenn nur die Luft knapp wird

Eine Durchblutungsstörung des Herzens zeigt sich nicht bei allen gleich. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind gut belegt – und wichtig, damit Beschwerden richtig eingeordnet werden.

Angina pectoris bei Frauen

  • Häufiger untypische Beschwerden: Atemnot, ungewohnte Erschöpfung, Übelkeit oder Schweißausbruch.
  • Druck oder Schmerz eher im Oberbauch, im Rücken, im Hals, im Kiefer oder zwischen den Schulterblättern.
  • Beschwerden auch in Ruhe oder bei seelischer Anspannung.
  • Häufiger eine Störung der kleinsten Herzgefäße (mikrovaskuläre Angina) oder Gefäßkrämpfe.

Im Herzkatheter sehen die großen Gefäße dann oft unauffällig aus – man spricht von INOCA, einer Minderdurchblutung ohne verengte Herzkranzgefäße. Die Beschwerden sind trotzdem real: Das Stress-MRT kann Hinweise auf eine solche Durchblutungsstörung geben. Mehr auf unserer Seite Frauenkardiologie.

Angina pectoris bei Männern

  • Häufiger die klassische Form: Druck, Enge oder Brennen hinter dem Brustbein bei Belastung.
  • Oft mit Ausstrahlung in den linken Arm, in Hals, Kiefer oder Rücken.
  • Meist durch verengte große Herzkranzgefäße (KHK) – im Durchschnitt einige Jahre früher als bei Frauen.
  • Auch bei Männern möglich: Atemnot oder Erschöpfung als einziges Zeichen – besonders bei Diabetes und im höheren Alter.

Das Herz-CT zeigt verengte Gefäße und Ablagerungen direkt und ohne Katheter; das Stress-MRT zeigt, ob eine Verengung die Durchblutung des Herzmuskels tatsächlich einschränkt. Mehr auf unserer Seite Herz-CT.

Für Frauen und Männer gilt: Atemnot bei Belastung kann das einzige Zeichen sein – ein sogenanntes Angina-pectoris-Äquivalent, besonders bei Diabetes und im höheren Alter. Entscheidend ist nicht, ob die Beschwerden „typisch“ sind, sondern ob sie neu sind, wiederkehren oder unter Belastung zunehmen.

Differenzialdiagnose zur stabilen Angina pectoris

Long-/Post-COVID, PEM, POTS, Dysautonomie – oder das Herz?

Brustenge, Herzrasen, Atemnot und nachlassende Belastbarkeit sind typische Beschwerden einer stabilen Angina pectoris – sie kommen aber auch bei anderen Krankheitsbildern vor. Seit der Corona-Pandemie betrifft das vor allem Menschen, bei denen solche Beschwerden nach einer Infektion bestehen bleiben. Die Unterscheidung ist wichtig: Behandlung und Verlauf sind grundverschieden, und nicht selten bestehen mehrere Ursachen nebeneinander. Einen ersten Hinweis gibt oft schon das zeitliche Muster.

Long- und Post-COVID

Von Long-COVID spricht man, wenn Beschwerden länger als vier Wochen nach einer Infektion anhalten, von Post-COVID nach mehr als zwölf Wochen. Häufig sind Erschöpfung, Atemnot, Brustschmerz, Herzrasen und Konzentrationsstörungen. Die Herzkranzgefäße sind dabei meist unauffällig; seltener hinterlässt die Infektion eine Entzündung des Herzmuskels oder des Herzbeutels – das Herz-MRT kann sie sichtbar machen.

PEM – Verschlechterung nach Belastung

Bei der post-exertionellen Malaise (PEM), dem Leitsymptom von ME/CFS, verschlechtern sich die Beschwerden nicht während einer Anstrengung, sondern verzögert – oft erst Stunden bis Tage danach – und halten meist über Tage an. Das unterscheidet sie von der stabilen Angina pectoris, die während der Belastung auftritt und in Ruhe nach wenigen Minuten abklingt. Für Menschen mit PEM wichtig: Beim Stress-MRT wird die Belastung durch ein Medikament ersetzt – körperliche Anstrengung ist nicht nötig.

POTS und Dysautonomie

Beim posturalen Tachykardiesyndrom (POTS), einer Fehlregulation des autonomen Nervensystems (Dysautonomie), steigt der Puls im Stehen innerhalb von zehn Minuten um mehr als 30 Schläge pro Minute, ohne dass der Blutdruck abfällt. Herzrasen, Brustenge, Schwindel und Atemnot treten dann beim Aufstehen und längeren Stehen auf und bessern sich im Liegen – unabhängig von körperlicher Anstrengung. Das Herz selbst ist dabei meist strukturell gesund; ein Stehtest (Schellong-Test) oder eine Kipptisch-Untersuchung klären die Diagnose.

Endotheliale und mikrovaskuläre Dysfunktion

Hier ist die Grenze zur Angina pectoris fließend: Arbeiten die Gefäßinnenwand (Endothel) oder die kleinsten Herzgefäße nicht richtig, erhält der Herzmuskel unter Belastung zu wenig Blut – obwohl die großen Herzkranzgefäße offen sind. Das betrifft häufiger Frauen sowie Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes und wird auch nach Virusinfektionen beschrieben. Das Herz-CT zeigt dann unauffällige große Gefäße; das Stress-MRT kann Hinweise auf die Durchblutungsstörung der kleinen Gefäße geben.

Das zeitliche Muster gibt oft den ersten Hinweis

Beschwerdebild Typisches Muster
Stabile Angina pectoriswährend Belastung, Kälte oder Aufregung; in Ruhe nach wenigen Minuten vorbei
Instabile Angina pectorisplötzlich, neu, in Ruhe oder zunehmend – sofort 112
Mikrovaskuläre Angina / INOCAbei Belastung, aber auch in Ruhe oder bei Anspannung; Herzkatheter oft unauffällig
PEM (post-exertionelle Malaise)verzögert, oft Stunden bis Tage nach Belastung; hält meist Tage an
POTS / Dysautonomiebeim Aufstehen und Stehen, Puls deutlich erhöht; besser im Liegen
Long-/Post-COVIDnach einer Infektion, über Wochen bis Monate; wechselnd, oft mit Erschöpfung

So gehen wir vor: Zuerst klären wir, ob das Herz beteiligt ist – ob die Herzkranzgefäße verengt sind (Herz-CT), ob der Herzmuskel unter Belastung ausreichend durchblutet wird und ob Entzündungen oder Narben vorliegen (Stress-MRT, Herz-MRT). Zeigt sich am Herzen kein krankhafter Befund, ist das eine belastbare und wichtige Information – für Sie selbst und für die weitere Behandlung, etwa bei Hausarzt, Neurologie oder einer spezialisierten Post-COVID-Ambulanz. Umgekehrt gilt: Eine Infektion in der Vorgeschichte schließt eine koronare Herzkrankheit nicht aus – beides kann nebeneinander bestehen.

Die Untersuchungen

Gefäße, Durchblutung und Herzmuskel – an einem Ort

Die europäische Leitlinie (ESC 2024) empfiehlt bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit die nicht-invasive Bildgebung als ersten Schritt – das Herz-CT oder eine Belastungsuntersuchung mit Bildgebung wie das Stress-MRT –, noch vor dem Herzkatheter. Ein alleiniger Herzultraschall (Sonographie) und ein EKG sind dafür nicht zielführend: Sie können eine KHK weder sicher bestätigen noch ausschließen. Hier ist Gewissheit vonnöten. Herz-CT und Stress-MRT bieten wir unter einem Dach – ergänzt durch EKG und Echokardiographie.

EKG und Echokardiographie

Die Basis: Das EKG erfasst den Rhythmus und Hinweise auf Durchblutungsstörungen oder alte Narben, der Herzultraschall zeigt Pumpfunktion, Wandbewegung und Klappen – ohne Strahlung.

Herz-CT: die Herzkranzgefäße

Die CT-Koronarangiographie zeigt Verengungen und Ablagerungen (Plaque) direkt – auch weiche, nicht verkalkte Plaques – ohne Katheter. Der Kalkscore ordnet das Risiko ein. Mit moderner Dual-Source-Technik ist die Strahlendosis so niedrig wie technisch derzeit möglich.

Stress-MRT: die Durchblutung

Das Stress-MRT zeigt, ob der Herzmuskel unter medikamentöser Belastung ausreichend durchblutet wird – einschließlich Hinweisen auf Störungen der kleinsten Gefäße – und macht Narben und Entzündungen sichtbar. Ohne Strahlung und ohne körperliche Anstrengung.

Befundgespräch und Zweitmeinung

Wir besprechen Bilder und Befunde ausführlich mit Ihnen – verständlich und mit Zeit für Ihre Fragen. Auch wenn Sie bereits Befunde mitbringen und eine zweite Meinung wünschen.

So läuft es ab

In drei Schritten zur Gewissheit

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Die Untersuchung

EKG und Echokardiographie, dann – je nach Fragestellung – Herz-CT oder Stress-MRT. Kardiologie und Radiologie werten gemeinsam aus.

Befund & Gespräch

Sie erhalten einen ausführlichen Befund und ein persönliches Gespräch über das weitere Vorgehen.

Ihre Ärzte

Persönlich für Sie da

Anastasija Todorovska – Fachärztin für Kardiologie und Innere Medizin

Anastasija Todorovska

Fachärztin für Kardiologie & Innere Medizin

Spezialisiert auf Echokardiographie, EKG-Diagnostik und die kardiologische Abklärung – in enger Zusammenarbeit mit der Radiologie.

Das sagen unsere Patienten

Vertrauen, das aus Erfahrung wächst

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Häufigkeit & Hintergrund

Die koronare Herzkrankheit ist – zusammen mit ihren Folgeerkrankungen – die häufigste Todesursache in Deutschland;¹ die Angina pectoris ist ihr häufigstes Warnzeichen. Die europäische Leitlinie von 2024 empfiehlt bei Verdacht auf eine KHK die nicht-invasive Bildgebung – Herz-CT oder Stress-MRT – als ersten diagnostischen Schritt.² In der SCOT-HEART-Studie traten bei Menschen mit Brustschmerz, deren Abklärung ein Herz-CT einschloss, über fünf Jahre seltener Herzinfarkte oder koronar bedingte Todesfälle auf (2,3 % gegenüber 3,9 %).³ Ein erheblicher Teil der Menschen mit Angina – häufiger Frauen – hat keine verengten großen Herzkranzgefäße, sondern eine Störung der kleinsten Gefäße oder Gefäßkrämpfe (INOCA).⁴ Zugleich können Long- und Post-COVID, eine post-exertionelle Malaise sowie POTS und andere Formen der Dysautonomie ähnliche Beschwerden verursachen;⁵ ⁶ ⁷ ⁸ ihre sorgfältige Abgrenzung gehört deshalb zu jeder Abklärung. Ob und welche Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir gemeinsam nach Ihrem individuellen Risikoprofil.

Literatur
  1. Statistisches Bundesamt (Destatis). Todesursachenstatistik 2022 und 2023. Deutsche Herzstiftung u. a. (Hrsg.). Deutscher Herzbericht – Update 2024 (Berichtsjahr 2022) und Update 2025 (Berichtsjahr 2023). Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Koronare Herzkrankheit – Sterblichkeit. gbe.rki.de
  2. Vrints C, Andreotti F, Koskinas KC, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of chronic coronary syndromes. Eur Heart J 2024;45(36):3415–3537. academic.oup.com
  3. SCOT-HEART Investigators; Newby DE, Adamson PD, Berry C, et al. Coronary CT Angiography and 5-Year Risk of Myocardial Infarction. N Engl J Med 2018;379(10):924–933. nejm.org
  4. Kunadian V, Chieffo A, Camici PG, et al. An EAPCI Expert Consensus Document on Ischaemia with Non-Obstructive Coronary Arteries in Collaboration with European Society of Cardiology Working Group on Coronary Pathophysiology & Microcirculation Endorsed by Coronary Vasomotor Disorders International Study Group. Eur Heart J 2020;41(37):3504–3520. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Koczulla AR, et al. S1-Leitlinie Long/Post-COVID. AWMF-Register-Nr. 020-027, Aktualisierung 2024 (Gültigkeitsdauer 08/2025 abgelaufen). register.awmf.org
  6. Raman B, Bluemke DA, Lüscher TF, Neubauer S. Long COVID: post-acute sequelae of COVID-19 with a cardiovascular focus. Eur Heart J 2022;43(11):1157–1172. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Sheldon RS, Grubb BP, Olshansky B, et al. 2015 Heart Rhythm Society expert consensus statement on the diagnosis and treatment of postural tachycardia syndrome, inappropriate sinus tachycardia, and vasovagal syncope. Heart Rhythm 2015;12(6):e41–e63. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  8. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome: diagnosis and management. NICE guideline NG206, 2021. nice.org.uk
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